The final countdown!

finale 1Gestern war es tagsüber im Heimathafen Neukölln ganz ruhig. Nur die Techniker hatten mit dem Soundcheck zu tun und hier und da wurde auf der Bühne geübt und geprobt. Gegen 18h00 trudelten allmählich alle Poeten, Slam-Liebhaber und Gäste ein. Ich hatte gestern einen ganz interessanten Dialog mit Ringo (32), einer der Slammer, geführt. Er las mir aus seinem „Zengarten“ vor und wir unterhielten uns über „Poesie“, tauschten uns über Definitionsansätze derselben aus und er erklärte mir, dass er auf der Suche nach der Reinheit der Poesie sei. Reinheit in dem Sinne, dass Poesie nicht lügen kann, weil sie immer, sofern sie wirkliche Poesie ist, Wahrheit bedeutet. Was ist wirkliche Poesie? – Ringo versucht bewusst seine selektive Wahrnehmung im Alltag zu poetisieren, nicht durch Metaphern oder Chiffren, sondern durch Einstellungsaktivitäten. Poetisch sein, heißt empfindsam sein. Zu poetisieren heißt, die Dinge aus einer gewissen Empfindsamkeit heraus zu betrachten. Um poetische Texte zu schaffen, einmal die Woche setzt er sich bewusst in Ruhe hin, um zu schreiben, muss sich der Schöpfer sensibilisieren, also empfindsam werden:

„[…] tausend sprüche alter bücher gehen durch den garten ja doch zu sehen sind nur blätter die geworden sind mit ginko baum […] pffffffffffffffffffffffffff der pfeil schoß ab getroffen ist die mitte.“

Um 20h00 platzte das Auditorium beinahe aus allen Nähten. Das Publikumsstimmungsbild war bombastisch. Es wurde für die Finalisten gejubelt und applaudiert – lautstark und lang. finalistesDie Slammer waren großartig und in Höchstform gaben sie noch einmal alles. Kanalisierte Power! Und eigentlich war es keine reine Poetry-Slam könnte man behaupten. Eher eine Fusion aus Theater, Rap und Kabarett auf Slam-Basis natürlich. Ein multidisziplines spoken-words-event. Die Jury wurde mitunter für ihre Bewertungen des Dargestellten ausgebuht. IDId hatte es besonders schwer. Er war schon bereit loszulegen und weil er aber der einzige war, der auf Unterstützung des Beamers zurückgegriffen hat, um uns die Texte per Übersetzung näherzubringen, ging das Geschreie los, sodass er aus noch mehr Nervosität und Unsicherheit seine Textstücke vergas. Naja, er machte immerhin den vierten Platz. Enttäuschung jedoch stand auf seiner Stirn großgeschrieben. Die Goldmedaille teilten sich Deutschland und Frankreich. Tobias Kunze und Dizzy Les. Völkerverständigung de Luxe!Das European-Poetry-Festival 2009 im Herzen Neuköllns war ein ebenso herzliches Event. Vielmals habe ich gehört, dass Menschen neue Freunde gewonnen haben. Das ist schon was. Und nicht nur das. Es war ein breiter Input von Menschen und ihren Gedanken aus dem Land Europa, Kreativitätsaustausch, Selbst- und Fremdspiegelungen, Gemeinsamkeitsgefühl. Ja, love is the key und sie kommt aus Poesie. . .

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~ by europeanpoetryslamblog on October 4, 2009.

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